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Ein Jahr im Weinberg

Frühling - Sommer - Herbstt und Weinlese - Winter

Frühling

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Schwitzen im Weinberg - Schneiden und Binden in der Februarsonne

 

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Kurze Arme, 18 Grad im Februar 2014. Die Reben "drücken" schon, d.h. es tropft Wasser nach dem Schneiden aus den Wunden; vier Wochen früher als normal.

Im Weinberg werden die Weinreben ab November bis in den April hinein geschnitten und gebunden. Das heißt, die alten Triebe vom letzen Jahr werden - bis auf einen oder zwei - abgeschnitten und auf den Boden geworfen.

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1. Rebe mit alten Trieben, vorgeschnitten; 2. rausgezogen; 3. gebunden

Die übrig gebliebenen Triebe (die stärksten und schönsten) werden dann nach unten gebogen (entweder herzförmig am Moselpfahl oder über den Biegedraht bei der neuzeitlichen Drahtanlage) und dann befestigt, zum Beispiel mit den hier wachsenden Weiden. So erreicht man, das eine möglichst große Anzahl von neuen Trieben wachsen kann, denn neue Triebe heißt: neue Trauben. Und: die Rebe ist eine Rankpflanze - normalerweise will die Rebe 20m den Baum hinauf wachsen in Richtung Licht. Wir Winzer wollen das Gegenteil erzielen: die Reben sollen unten bleiben und dafür eher tief in den Boden wurzeln. Deswegen ist der Rebschnitt unverzichtbar im Weinbau.

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Das Schneiden und Binden ist bei uns noch komplette Handarbeit - nur so können wir die Reben so schneiden und binden, dass die spätere Qualität der Trauben optimiert wird.

Macht man als Winzer seine Arbeit sauber und richtig, so kann eine Rebe auf diese Art Jahrzehnte, wenn nicht mehr als 100 Jahre jedes Jahr süße und wohlschmeckende Trauben liefern.

Mehr zu dem Rebschnitt

Manch ein uninformierter Weinfreund ist schon fast entsetzt in den Wintertagen, wenn alles Laub abgefallen ist und mit dem Rebschnitt begonnen wird. Fast alles, was letztes Jahr gewachsen ist, liegt in den Weinbergen auf der Erde. Da wird von der armen Reben komplett alles abgeschnitten, alle neuen Triebe, alle Reben, bis auf eine. Überlebt die Rebe das denn? Tut der das nicht weh?

Die Rebe ist vom Wachstum her gesehen eigentlich fast ein Unkraut, dass will ich aber gar nicht schreiben angesichts der süßen Früchte, die uns die Königin der Kulturpflanzen liefert. Sagen wir also, die Rebe ist sehr robust und wuchsfreudig. Und die Rebe ist eine Rankpflanze, normalerweise will die Rebe 20m den Baum hinauf, an dem sie wächst, bis ans Licht. Um jetzt das Gegenteil zu erzielen, das sie eben 10-15m in den Boden wächst (um alle Nahrungs- und Geschmacksstoffe aus ihm herauszuziehen), muss man als Winzer viel Arbeit investieren. Diese Arbeit, die nach der Lese (nachdem der Saft aus den Trieben raus ist) beginnt und bis zum März dauern kann, nennt man den Rebschnitt.

Jedes Jahr wird die Rebe bis auf einen oder zwei Triebe des letzten Jahres (Triebe sind Äste/Ranken, an denen Blätter und Trauben waren) zurück geschnitten, alles außer diesem einen (oder zwei) Trieben wird entfernt. Aus diesem (meistens einen) verbliebenen Haupttrieb wachsen dann im nächsten Jahr die neuen Triebe, an denen dann wiederum die neuen Trauben wachsen. Mann braucht neues, einjähriges Holz als Haupttrieb und Ausgangsmaterial, dieses ist das fruchtbarste.

In der Regel lässt man noch ein bis zwei einäugige "Ersatzzapfen" stehen (ca. 5cm kurz, mit einem Auge=Verdickung im Holz), dies sind einjährige Triebe, die direkt aus dem Rebstamm gewachsen sind und aus deren Auge dann im nächsten Jahr der neue Haupttrieb für das übernächste Jahr wächst. Seit Generationen weiß man nämlich, dass die einjährigen Triebe aus zweijährigem Holz (zweijähriges Holz sind die ehemaligen Ersatzzapfen aus dem letzten Jahr) die beste und meiste Ernte versprechen.

Ich hoffe, ich habe Sie jetzt mit ein- und zweijährig und Trieb, Holz, Auge und Haupttrieb nicht durcheinander gebracht. Fotos, auf denen das ganze einfacher zu erkennen sind, finden Sie an dieser Stelle bald Bilder dazu.

Jetzt im Frühjahr wiederholt sich also das Spiel des Rebschnitts wie jedes Jahr von neuem. Macht man als Winzer seine Arbeit sauber und richtig, so kann eine Rebe auf diese Art Jahrzehnte, wenn nicht mehr als 100 Jahre jedes Jahr süße und wohlschmeckende Trauben liefern. Doch auch nach dem Rebschnitt ist noch viel Arbeit nötig - leider besteht die Arbeit des Winzers nicht nur aus Ernten ;-).

Im April und Mai: Das Setzen von jungen Reben

Mehr zum Pflanzen eines neuen Weinbergs:

 

Das Setzen


Erleben Sie, wie in der Weinlage Bremmer Abtei Kloster Stuben ein neuer Weinberg gesetzt wird.   mehr...
  



Sommer

1. Laubarbeiten: Heften

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Als ursprüngliche Schlingpflanze sollte die Rebe eigentlich von Natur aus nach oben wachsen wollen, immer hinauf an den Bäumen in die Baumwipfel Richtung Sonne. Leider haben das einige Rebsorten wohl vergessen ;-).

Während z.B. Riesling, Elbling, Cabernet Dorsa direkt und ordentlich nach oben wachsen, will beispielsweise der Weissburgunder so gar nicht nach oben. Auch Kerner und Dunkelfelder wachsen eher wie ein Busch.

So muss ein bis drei mal geheftet werden, d.h. die Triebe werden mittels Drähten nach oben gezogen oder - wie seit Jahrtausenden - an den Pfählen mit Bast angebunden.

2. Entlauben

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Vorher und nachher. Die Traube  hängen frei, gezielt wurden die Blätter entfernt

Im Bild: der "Entlauber", er entfernt mit großem Saug-Gebläse und zwei Rollen gezielt die Blätter vor den Trauben. Das zur Qualitätssteigerung: die Trauben werden schön belichtet, reifen besser aus, die Säure wird reduziert, die Trauben trocknen schneller ab und bleiben so länger gesund - für mehr Qualität. Auch steigt bei roten Reben die Farbausbeute und der Tanningehalt.

3. Laubschnitt

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Werden die Triebe zu lang, müssen Sie eingekürzt oder "gegipfelt" werden - dies ist der Laubschnitt. Man kann es mit einem langen Messer, mit Heckenscheren oder wie im Bild mechanisch mit hydraulisch angetriebenen Messern machen.

Maschinell ist das ganz natürlich deutlich erholsamer - mit bis zu 10km/h können wir die Zeilen Abfahren.

Sinn der Arbeit ist es, aufrecht stehende Triebe mit dem richtigen Blatt/Fruchtverhältnis zu erzielen. Die Blätter sind nicht anderes als kleine Sonnenkraftwerke; je mehr, desto mehr Süße kann in die Trauben eingelagert werden, aber auch je höher ist der Wasserverbrauch.

Deswegen gilt es, die Triebe auf das richtige Maß einzukürzen. Werden die Triebe zu lang, brechen Sie nämlich ab oder beschatten sich selber - und im Schatten arbeiten die Sonnenkraftwerke, die Blätter nicht.

Auch würden dann die Zeilen viel zu wild wuchern, es wäre zu feucht und der Krankheitsdruck wäre stark erhöht.

Das erste "Gipfeln" machen wir möglichst spät- So geht viel Energie der Rebe in die Blätter und weniger in die Trauben - die einzelnen Beern bleiben so kleiner und die Qualität wird gesteigert. Auch bildet die Reben dann weniger Seitentriebe (Geiztriebe genannt), die Laubwand ist lockerer und dadurch gesünder.

4. Rebschutz

1845 wurde der echte und 1878 der falsche Mehltau mit Zierreben von Amerika nach Südfrankreich eingeschleppt. Innerhalb weniger Jahre verbreiteten sich die Krankheiten über ganz Europa. Seit 2005 kam durch die Globalisierung die Schwarzfäule dazu, und seit 2015 treibt die aus Südostasien stammende Kirschessigfliege ihr unwesen, sticht dunkle Trauben an und kann die Trauben eines ganzen Weinbergs in drei Tagem(!) zu stinkenden, faulen Abfall verwandeln. Alles Krankheiten und Schädlinge, die unsere europäische Rebe (Vitis Vinifera) nicht kennt. Von der Reblaus ganz abgesehen, die ebenfalls eingeschleppt wurde. 

Seitdem, seit den 1870ern, müssen wir Winzer Pflanzenschutz betreiben. Zunächst mit Kupfer- und Schwefelpräparaten, mittlerweile mit systemischen Fungiziden, die sich nicht mehr im Boden anreichern.

Dank Wetterstation direkt im Ort kennen wir mittlerweile genau den Infektionsdruck und können auf unnötige Spritzungen verzichten. Prognosemodelle sagen uns, wann die beste Zeit ist für Pflanzenschutz. Wenn der Neuzuwachs langsam ist und es ruhiges warmes Wetter ist, hat man 14 Tage Zeot zwischen den Planzenschutzmaßnahmen. Bei schnellen Neuzuwachs (neue Blätter, die Trauben werden größer, die Triebe wachsen schnell; alles was neu gewachsen ist ist ungeschützt gegen Infektionen) und bei feucht-schwülen Witterung hält der Pflanzenschutz teils auch nur 5 Tage! Im Schnitt ains wir bei Pflanzenschutz alle 10-12 Tage, damit alle neuen Blätter und Trauben gut geschützt sind.

Herbst

Vor der Lese stehen einerseits noch qualitätsfördernde Arbeiten an. Blätter werden entfernt, so dass die Trauben mehr Licht, Luft und Sonne bekommen. Unreife und unschöne Trauben werden eventuell entfernt, und wir müsen die Weinberge gegen Wildscheine und Vögel schützen - mit Elektrozäunen, Netzen und Vogelschreckgeräten. Wie sich rausgestellt hat, funktiniert ein Elektrozaun auch am Moselradweg und Moselsteig hervorrgagend zum Schutz vor Fraßfeinden ;-).

Handlese für beste Weine

Weinlese am 4. Oktober 2001 - eine der frühen Sorten, Bacchus, wird bei sommerlichem Wetter im Petersberg gelesen

Endlich steht die für den Winzer schönste und arbeitsreichste Zeit des Jahres an - die Lese. Meistens beginnen wir Ende September mit der Lese der frühen Sorten wie Müller-Thurgau und Bacchus (auch für den Traubensaft), die Lese kann sich dann bis in den November hinziehen (Riesling). Damit hat kaum eine andere Traube auf der Welt so viel Zeit wie der Riesling, die Sonne des ganzen Jahres und das Beste aus der Lage und dem Schieferboden aufzunehmen.

In unseren steilen Weinbergen lesen wir im Moment alles per Hand. So können direkt im Weinberg nur die Trauben ausgelesen werden, die am Besten für dem Wein sind. So wird bei Rotwein vor allem auf Gesundheit der Trauben Wert gelegt, denn durch Boytritis (Edelfäule) geschädigte Trauben bringen keine Farbe mehr in den Wein. Bei edelsüßen Spät- und Auslese legt man jedoch gerade Wert auf diese edelfaulen Trauben, der Boytritis-Pilz perforiert die Trauben, dadurch verdunstet Wasser und alle anderen Inhaltsstoffe wie Zucker und die später für den Geschmack verantwortlichen Stoffe werden konzentriert.

 

Weinlese 2000


Bilder von der Weinlese im etwas feuchten und kühlen Jahr 2000.   mehr...
  



Weinlese 2002


Der Verlauf der Weinlese 2002 - Qualitäten, Sorten und viele Bilder. Start am 25.9.2002   mehr...
  



Goldener Oktober 2005 - Lese im Calmont


Bilder und Panoramen von der Weinlese im Calmont.   mehr...
  



Weinjahr und Lese 2006


Das Weinjahr und die Weinlese 2006.   mehr...
  



Weinlese 2007


Ein Wein-Lese-Bilderbuch, im sonnigen Herbst 2007. Folgen Sie uns auf der Lese im Frauenberg, Calmont und rund um die Klosterruine Stuben, erleben Sie die Geburt des Regent-Rotwein und schauen Sie sich um im Keller bei Nacht.   mehr...
  



Modernste Lesemaschine der Welt im Einsatz in unseren flachen Weinbergen

Winter

Eisweinlese

Mehr (Videos und Bilder) zur Eisweinlese...

Kommt der Frost, am besten schon im November, beginnt auch die Zeit der Eisweinlese. Hier ernten wir im November 1998 einen Eiswein im Frauenberg. Bei -9°C waren wir fast genauso gefroren wie die Beeren, aber der Eiswein (jetzt im Verkauf: Nr.29.2) entschädigt für alle Mühen.

Blick auf den morgens um 6 Uhr noch schlafenden Ort und die vielen fleißigen Helfer.

Die gefrorenen Trauben. Das Blaue Netz schützt vor den hungrigen Vögeln und davor, das die Trauben abfallen und auf dem Boden liegen.

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Neu

Das Ergebnis - Unser Eiswein, die Nr.29.2.

Auch im hervorragenden Jahrgang 2003 konnten wir bei sogar -11°C einen Eiswein ernten. Danach noch 2006, 2013 und 2016 - leider werden die Eisweine knapp, da einerseits wegen warmen Jahren die Lese immer früher ist und gleichzeitig die Fröste wenn überhaupt nur sehr spät kommen. So gab es 2018, 2019 und 2020 an der ganzen Mosel keine oder so gut wie keinen Eiswein. 

Wie man im Winter die guten Weinlagen findet - wie es die Römer taten

Wie findet man die guten Weinlagen? Im Winter ist es ganz einfach: Ab und zu wagt sich der Schnee auch von den Eifel- und Hunsrückhöhen ins wärmere Tal hinab, und es liegt ein wenig Schnee hier an den Hängen. In den guten Lagen schmilzt er zuerst - und so fanden auch die Römer vor benahe 2000 Jahren die besten Plätze für die mitgebrachten Weinreben.

Bei uns ist immer der Frauenberg zuerst schneefrei. Der Schiefergrund und die Natursteinmauern reflektieren die Sonne, erwärmen sich und lassen so mehr und mehr den graubraunen Schiefer hervortreten, wenn sonst noch alles von einer hellweißen Schneeschicht zugedeckt ist

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Freitags: Frisch gefallener Schnee. Samstags, einen Tag später: rechts im Frauenberg liegt schon keiner mehr, in den Weinbergen dahinter und davor schon.

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Unsere Weine - ausgezeichnet
 1996-2022 Christian Amlinger