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Wo kommt der Riesling her? Und wer ist der Vater des Müller-Thurgaus?

Sonntag, den 30.9.2001  

Beim Menschen kann sich mittlerweile keiner mehr herausreden, wer für den Nachwuchs verantwortlich ist. Anders beim Wein - erst durch neueste Forschungen kommt Licht in die Abstammung selbst der Weitverbreittesten und Ältesten Sorten wie dem Riesling. So soll der Riesling nicht - wie bisher vermutet - von einer an Rhein und Mosel heimischen Wildrebe abstammen, sondern ein Kreuzungsprodukt der uralten Sorten Heunisch und Fränkisch sein. Das meinen zumindest Wissenschaftler der österreichischen Forschungsanstalt Kloster Neuburg (renommiert im Thema Rebsorten). Ob absichtlich oder unabsichtlich kreuzten sich also im Riesling der Heunisch(soll von den Hunnen aus Süd- oder Osteuropa mitgebracht worden sein, dies wird aber angezweifelt) und der Fränkisch, selbst Sohn von Traminer und einer anderen, autochthomen (eigenständigen) Rebe. Im Mittelalter wurden der Heunisch und der Fränkisch im Mischsatz gepflanzt (d.h. abwechselnd Rebe für Rebe im Weinberg), der Heunisch ergab konstanten Ertrag und gute Säure und der Fränkisch Qualität und Frosthärte. Irgendwann ist wohl einem Winzer aufgefallen, dass eine Rebe sowohl robust war als auch sehr gute und süße Trauben hervor brachte - der Riesling war geboren. Und bald verbreitete sich der Riesling als eine der edelsten Reben überhaupt(zählt zu den sog. Cépages nobles) im 11. und 12. Jhd. vom Rhein aus an die Mosel und andere deutsche Gebiete. Heute wird der Riesling auf 4 Kontinenten angebaut, aber die Mosel-Rieslinge (auf Schiefer gewachsen wie im Neefer Frauenberg) stellen immer noch eine der unverwechselbaren Spitzen des Rieslings dar. Schon etwas länger weis man durch dieselbe Methode (auch durch Dr. Ferdinand Regner), bei der man mittels der genetischen Fingerprint-Technik die Länge der genetischen Abschnitte der Rebsorten miteinander vergleicht, das der Müller-Thurgau einen anderen Vater hat als angenommen. Man dachte, dass die erfolgreichste Neuzüchtung(von 1891) der Welt von Prof. Müller aus dem schweizerischen Thurgau von Riesling x Silvaner abstammen soll (daher das Synonym Rivaner), aber schon den Professor plagten ernste Zweifel. Erste Untersuchungen ergaben 1996 die Kreuzung Riesling x Chasselas de Courtiller als Eltern. Schließlich wurde vom Institut Geilweilerhof in der Pfalz herausgefunden, das die Rebsorte Madeleine Royale (Königliche Magdalenentraube) der Vater ist. So wurde der Silvaner endgültig freigesprochen und eine der großen Fragen des Weinanbaus geklärt. Aber immer noch gilt, das wir sowohl über die Rebe als auch die zahlreichen Prozesse der Gärung noch sehr wenig wissen, und wenn eine Frage geklärt wird, tun sich immer wieder drei neue auf. Wenn Sie sich die Produkte der verschiedenen Eltern "live" erleben wollen, dann klicken Sie einfach auf http://www.amlinger.de/index.php3?ID=shop, von einigen Rieslingen gibt es jetzt schon den 2000er.

    Betrifft: Unsere Rebsorten
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